Philipp Köhn

Dies ist meine Homepage. Homepages sind wie Kleidung in der virtuellen Welt. Sie reflektieren einen Teil der Persönlichkeit, wie Jeans und Krawatte etwas über ihren Träger aussagen. Wir drücken das aus, was wir anderen glauben machen wollen. Kleidung ist eine Lüge im Rahmen unserer Möglichkeiten, die oft mehr enthüllt, als wir wollen. Auch keine Kleidung zu haben, nackt zu sein, ist ein fashion statement.

Ich mag Computer. Computer sind die zehnte Kunst. Jede der Künste erweiterte unsere Möglichkeiten, uns über die Welt mitzuteilen. Schrift erlaubt uns, unsere Gedanken niederzuschreiben. Malerei ermöglicht uns den Ausdruck unserer visuellen Vorstellungen. Mit Film können wir Geschichten erzählen, wie sie unsere Augen und Ohren wahrnehmen. Die Errungenschaft von Computern ist es, unsere Ideen von abstrakten Vorgängen festhalten zu können.

Kunst ermöglicht uns nicht nur, unsere Ideen auszudrücken. Kunst bringt Zwänge mit sich. Wir können nicht mit Farben malen, die wir uns nur vorstellen können. Ebenso können wir keine Ideen im Computer formulieren, die sich nicht mit dessen Mitteln fassen lassen. Ein Gedanke ist reicher als seine Niederschrift. Jenseits allem Ausdrückbaren liegt die Mystik.

Es scheint meine deutsche Pflicht zu sein, an dieser Stelle die Grenzen und Gefahren von Computern kritisch zu beleuchten. Computer sind ein Mittel zur Kunst, die uns demnach mit unseren und anderer Vorstellungen über die Welt konfrontiert. Sie konfrontiert uns nicht mit der Welt selbst. Poesie drückt Gefühle in Worten aus; sie ist nicht das Erleben der ureigenen Gefühlen. Wir sind der Welt näher, wenn wir Kunst schaffen, als wenn wir sie konsumieren. Doch nie sind wir der Welt näher, wenn wir die Kunst vollkommen ignorieren.

Die Kunst des Computers ist sehr abstrakt. Der Künstler ist der Computerfreak, der nächtelang auf die Tasten seiner Maschine einschlägt und offensichtlich in der Welt nichts bewegt. In einer Welt, in der immer mehr unserer sozialen Bedürfnisse durch technische Surrogate ersetzt werden, wollen wir nicht, daß Menschen sich so von uns verschließen. Wir wollen, daß sie mit uns in Kontakt treten, uns unterhalten und uns verstehen.

Der Cyberspace als neuster Fortschritt auf dem Gebiet der Computertechnik ist eine Erweiterung in die Breite. Sie bringt den Computer zu den Massen. Doch zunächst werden nur die Möglichkeiten der anderen Künste kopiert. Es gibt Literatur auf dem Computer, Malerei, Poesie, Film und Musik. Jeder glühende Anhänger dieser Künste beklagt die nochmalige Reduktion der Ausdrucksformen durch eine zweite Kunstform. Doch dieser Schritt ist notwendig, um die Kunst des Computers über den Grad von Tabellenkalkulationsprogrammen weiterzuentwickeln. Auch die beweglichen Lettern Gutenbergs raubten der Literatur die individuelle Gestaltung jedes einzelnen Buchstabens.

Das Wesen der Kunst des Computers ist nicht GIF, MPEG oder Real Audio. Das Wesen der Kunst des Computers ist Hypertext, Java und CGI-Skripts. Ob die Kunst des Computers eine Zukunft im Cyberspace hat, wird sich zeigen.

Fernsehen ist nur ein Medium geblieben. Doch hat es ebenso wie das Telefon die Welt im 20. Jahrhundert völlig verändert. Es hat die Kulturen weltweit in Verbindung gebracht. Heute kann man 10.000 Kilometer im Flugzeug reisen, und man ist in einer anderen Welt. Doch auch dort tragen die Menschen Levis Jeans. Das ist der Schrecken des global village, in dem nicht nur Dein Nachbar genauso ist wie Du. Das Versprechen ist, daß sich verschiedenste Subkulturen entwickeln können, da jeder Teil der fünf Milliarden Menschen zusammenkommen kann. Hoffen wir, daß die Kunst des Computers solche Subkulturen hervorbringen kann.

Es wurde gesagt, daß Kreativität das Verbinden von alten Ideen zu einer neuen ist. So habe auch ich auf dieser Seite alle graphischen Elemente von anderen übernommen und zu etwas Neuem zusammengestellt. Netzmarkt Ob Du dies Diebstahl oder Collage nennst, hängt davon ab, ob an das system glaubst. Dennoch vielen Dank für ihre teils unfreiwillige Unterstützung an:

Easynet Uni Erlangen, Julianne's Background Textures, NCSA, Sun, Uni Passau, Bob Allison, The Icon Browser, Via Rio, Eastend, Deoxyribonucleic Hyperdimension.

Gruß auch an alle bei NETZMARKT, die mich tiefer in Welt des Cyberspace eindringen lassen.

19. Mai 1996 Schreib mir Philipp Köhn